War bereits 1872 das Fach „Wildkunde und Jagdbetrieb“ an der BOKU University (damals noch „k.k. Hochschule für Bodencultur“) Pflichtfach in der forstlichen Ausbildung, schrieb man erst mehr als 100 Jahre später die Lehrkanzel für Wildbiologie und Jagdwirtschaft aus. Mit der Berufung von O.Univ.Prof. Dr. Hartmut Gossow wurde 1976 das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) an der BOKU gegründet. Seither entwickelte sich das IWJ zu einem prosperierenden Institut, das nunmehr seit mehr als 20 Jahren von Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer geleitet wird und nationale und internationale Reputation genießt.
In einer zweitägigen hochkarätig besetzten Jubiläumsfeier mit rund 150 Festgästen fanden sich am 29./30. September 2026 namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Jagdverbänden und Naturschutz in der BOKU ein, in dem neben einem sehr aufschlussreichen Gespräch zwischen den beiden Leitern des Instituts zu fünf Jahrzehnten erfolgreicher Forschung und Lehre auch ein Blick in die Zukunft der europäischen Wildtierforschung geworfen wurde. Bundeslandwirtschaftsminister Mag. Norbert Totschnig, der Wiener Umweltstadtrat Mag. Jürgen Czernohorszky, die Geschäftsführerin des WWF Österreich Andrea Johanides, Landesjägermeister und Präsident von Jagd Österreich DI(FH) Akad. Jagdwirt Anton Larcher lobten in ihren Begrüßungsstatements ausführlich die Bedeutung der laufenden Wildtierforschung für die Wildtiere selbst, ihre Lebensräume und den Erhalt der Wildtierpopulationen in Zeiten herausfordernder Umweltbedingungen.
Wildtiere bewegen sich in unserer Kulturlandschaft in sich stets verändernden Lebensräumen, die von sehr unterschiedlichen Nutzungsinteressen geprägt sind. Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Fischerei, Naturschutz, Tourismus und Raumplanung treffen hier aufeinander. „Wildtier-Management ist deshalb immer auch eine Aufgabe, bei der ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte zusammengeführt werden müssen. Das IWJ hat wesentlich dazu beigetragen, diese Zusammenhänge wissenschaftlich zu erschließen. Es hat nicht nur die akademische Landschaft der BOKU bereichert, sondern leistet mit bedeutsamer Grundlagen- und angewandter Forschung konkrete Beiträge für die Praxis, auf die man als eine der renommiertesten Nachhaltigkeitsuniversitäten Europas stolz sein kann“, so DI Gerhard Mannsberger, Vizerektor der BOKU University.
Die Leiterin des Department für Ökosystemforschung, Klima und Biodiversität (ÖKB) Assoc.Prof. Dr. Ursula Nopp-Mayr bestätigte in ihren Grußworten die Bedeutung des IWJ für das ÖKB und betonte, dass die hervorragenden Leistungskennzahlen des IWJ in Forschung und Lehre vor allem durch den Teamgeist und die interdisziplinäre Arbeit hervorgehen. Das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft koordiniert mit der Programmbegleiterin Dr. Eva Schöll nicht nur das Masterstudium Wildtierökologie und Wildtiermanagement, sondern bietet mit der Lehrgangsmanagerin Mag. Christine Thurner den Universitätslehrgang Jagdwirt*in an. Rund 1.000 Absolvent*innen beider Lehrangebote profitierten in den vergangenen 20 Jahren durch die Expertise des IWJ-Teams. Die Sprecherinnen der Alumni-Fachgruppen Dr. Jennifer Hatlauf (Wildtierökologie und Wildtiermanagement) und Akad. Jagdwirtin Christine Fischer MBA (Jagdwirt) beleuchteten die Bedeutung von ganzheitlicher Lehre und lebenslangem Lernen für die fachliche Qualifikation von Akademikern und Jäger*innen im Bereich nachhaltigem Wildtiermanagement.
Am darauffolgenden zweiten Tag der Jubiläumsfeierlichkeiten, moderiert durch den Institutsleiter und seinen Stellvertreter Dr. Florian Kunz, kamen ausschließlich IWJ-Alumni auf die Bühne. Viele der ehemaligen BOKU-Studierenden und IWJ-Mitarbeitenden können beeindruckende wissenschaftliche Karrieren aufweisen. Vier von ihnen präsentierten neueste Forschungsergebnisse aus ihren neuen Wirkungsstätten: Michaela Corsini PhD, Eurac Research Bozen: “Where the wild led me from cities to mountains: A research journey through human-wildlife interactions”, Prof. Dr. Andreas Zedrosser, University of South-Eastern Norway: “Jenseits des Abschusses: Nicht-letale Folgen der Jagd”, Asst. Prof. Dr. Sabrina Dressel, Wageningen University & Research: “Wild willkommen? Gesellschaftliche Perspektiven auf Wildtiere, Wildnis und Koexistenz“, Dr. Friederike Pohlin, Vetmeduni Wien: „Vom Siebenschläfer bis zum Nashorn: Wildtiermedizin zwischen Forschung und Praxis“.
Danach folgten IWJ-Alumni, die im Bereich des Wildtiermanagement tätig sind: Dr. Christoph Ledinitznig, Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal: „Wildnisgebiet: Warum Management?“, DI Stefan Schörghuber MSc, Österreichische Bundesforste AG: „Der Wald der Zukunft braucht Weitblick – den Herausforderungen interdisziplinär begegnen“, Annemarie Kaiser MSc, Landesamt für Umweltschutz Brandenburg: „Wild.Wertvoll.Vernetzt. Ostdeutschlands grüne Schatzkammer“, Gernot Heigl MSc, Vorarlberger Jägerschaft: „Wildtiere in der Kulturlandschaft - Wildökologische Raumplanung als Interessensausgleich“.
Den Ausklang der sehr stimmungsvollen Feierlichkeiten bildete neben einer beeindruckenden Präsentation aktueller Forschungsthemen der wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen des Instituts auch die Bedeutung der „Third Mission“ - eine neue Leistungsdimension der Universitäten Österreichs. Diese hat es sich zum Ziel gemacht, neben den traditionellen Kernaufgaben von Forschung und Lehre das generierte Wissen auch niederschwellig in der Gesellschaft zu vermitteln. Dies erfolgt am Institut für Wildbiologie und Jagwirtschaft unter anderem über populärwissenschaftliche Medienkooperationen, hier insbesondere mit den beiden renommierten Jagdmagazinen „Der Anblick“ und „Die Pirsch“, deren Chefredakteure und IWJ-Alumni Akad. Jagdwirt Martin Ossmann und Martin Weber MSc Einblick in ihre Tätigkeiten und die Zusammenarbeit mit dem IWJ gaben.
Mehr Informationen zu den vielseitigen Forschungsbereichen und Aktivitäten des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) an der BOKU University finden Sie auf https://boku.ac.at/oekb/wild